Foodblogger – Leben und Wirken

Der gemeine „Foodblogger“ ist schon etwas besonderes. Täglich, oder fast, bloggt er kulinarische Köstlichkeiten. Vorzugsweise natürlich solche, die ihm von kleinen Feen des nächtens in die Ohren gesäuselt werden. Niemals würde ein „Foodblogger“ schnöde Rezepte aus irgendwelchen Heften o.Ä. verwenden! Fersehköche – oh Gott nein! Rezeptsammlungen – nicht mit spitzen Fingern berühren! Foodmagazine – sowas kennt man erst gar nicht! Wenn überhaupt, dann werden nur Rezepte von etablierten, fast Szene gekrönten „Foddbloggerkollegen“ verwendet. Natürlich nur, wenn man standesgemäß darum gebeten wurde. Und immer schön die Rangordnung einhalten. So ein „Foodblogger“ ist halt Wer. Wer? Ein Mensch, der sich auskennt in der Welt der Kulinaria. Der niemals auch nur auf die Idee käme, Lebensmittel aus Dosen oder Tüten zu verwenden. Pfui aber auch. Und natürlich, ganz wichtig nur fair gehandelte Waren einkauft. Man hat ja einen Ruf zu verlieren in der „Foodbloggerszene“. Ja doch, sowas gibt es. Bei dem Wort „Foodbloggerszene“ stelle ich mir immer Leute in grauen Mänteln und mit Hütchen in Obstform vor (wegen der Erkennung ), die wispernd durch die Straßen huschen und sich in einem „Foodbloggerszenerestaurant“ treffen. Das gemeine Volk steht vor den verdunkelten Fenstern und wartet darauf erleuchtet zu werden. Dann – plötzlich erhellt sich ein Fenster und gibt den Blick auf die neuste Kreation von Foodblog „Käsepilz“ frei. Die Fans sind begeistert. Und da ja jeder „Foodblogger“ auch seinen Fanclub besitzt, kann er sich nun zurücklehnen und das Bejubeln und Hudeln genießen. “ Oh, was hast Du wieder für eine tolle Idee!“ “ Deine wunderschönen Fotos!“ „Lecker!“ „Ich liebe Deinen Blog“ (es heißt DAS Blog, also Dein Blog!) u.s.w. Ja, die Jubeltruppe leistet wieder ganze Arbeit. Und je mehr gejubelt und gehudelt wird, desto berühmter ist man natürlich. Ach ja? Klar! Je größer die Jubeltruppe, desto mehr ist man wer. Und außerdem: man hat ja Ahnung. Da wird Fachjargon nachgeplappert, und in der heimischen Küche wird der „Foodblogger“ zum ultimativen Koch. Wozu es früher noch einer Kochlehre und jahrelanger Arbeit zwecks Erfahrungssammlung bedarf, reichen heute ein paar gezielte Klicks im Web. So mutiert ein schüchterner Hobbykoch innerhalb kürzester Zeit zur Koryphäe. Da kann man dann nach etwa 6-8 Monaten bloggen, renommierte Köche in ihre Schranken weisen. Was wissen die schon?! „Foodblogger“ A, im wirklichen Leben ein frustrierter Buchhalter, ist schließlich eine virtuelle Berühmtheit. Was kann dem schon so ein Sternekoch entgegenhalten? Ach ja, die Jubeltruppe unterstützt ihren „Foodgott“ immer wieder mit liebevollen Kommentaren. Bitte doch, gern geschehen! So fällt doch ein wenig Glanz auch auf das Fußvolk. Getoppt wird sowas nur noch durch die absolut Allwissenden, die beim „Perfekten Dinner“ mitspielen. Da kann natürlich kein Essen perfekt sein, was nicht die ausgefallensten, teuersten Zutaten enthält und dazu noch mordsmäßig aufwendig in der Herstellung ist. Tja, so stellt klein Fritzchen sich die Welt vor. Verdammt seinen Diejenigen, die Michelin Sterne für Kreationen vergeben, die regionale, saisonale Zutaten in einer relativ schlichten Konstellation aufweisen. Bibendum? Pfui Spinne.

Nun gibt es allerdings „Foodblogs“, die aus dieser Riege weit herausragen, bzw. dort niemals vertreten waren. „Fool for Food“ z.B. ist so ein Blog. Die Betreiberin könnte sehr wohl von sich behaupten, über fundiertes Fachwissen zu verfügen. Diverse Ausbildungen, Fort- und Weiterbildungen, Praktika ect. Doch sie ist herrlich natürlich und auf dem Boden der Tatsachen geblieben. „Valentina’s Kochbuch„, „Kochtopf“, sowie einige Andere ebenso. Und es gibt sehr schöne Blogs von Menschen, die einfach gerne kochen. Denen ist das Styling und die Beweihräucherung absolut unwichtig. Als da wären z.B. „Die Lorbeerkrone“, oder „Anikó“. Herrlich normal und unabgehoben. Ich denke, daß solche Blogger sich auch nicht als „Foodblogger“ bezeichnen würden. Ich? Ich habe auch ein Blog. Hier werden meine Meinung, Fotos, Videos und Rezepte online gestellt. Hudeltruppen mag und will ich nicht. Ich hudel auch nicht in anderen Blogs herum. Kommentare, die Sinn ergeben sind herzlich willkommen, aber sie müssen nicht sein. Ein Leser der etwas nachfragt, oder mir sagt: „das Rezept könnte mir schmecken, das mach ich auch mal“, ist ein gern gelesener Gast. Mit allem Anderen halte ich mich nicht auf. Aber wen interessiert das schon? Es gibt Millionen, der sogar noch mehr Blogger in der Welt. Da fällt Unsereiner doch gar nicht auf. Zu guter Letzt möge nun der große „Foodbloggergott“ sein Zepter auf mich niedersausen lassen… Guten Appetit!

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6 Antworten zu “Foodblogger – Leben und Wirken

  1. Das hast du schön geschreiben. :-))

    Ich habe ja die Foodblogger auch eine Weile beobachtet und dabei meine Erfahrungen gemacht…. Es gibt sehr schöne Foodblogs (nennen wir sie mal so im Großen und Ganzen) und es gibt welche, die vielleicht auf den ersten Blick noch schön aussehen… bis man dann sieht, wie die Blogger vor exklusiven Zutaten, Qualitätsbewußtsein und Abscheu vor „normalen“ Zutaten aus dem Supermarkt zerfließen.

    Ich hatte grade letztens ein Erlebnis mit so einer Bloggerin… die hatte mehr „Qualitätsbewußtsein“ als Benehmen… und das auf meinem Blog… *tztz* auf jeden Fall mögen viele dieser Qualitätsliebhaber eine Gelegenheit, über „Normalos“ die Supermarktlebensmittel essen (igitt, wie kann man nur einen Käse essen, wenn man nicht die Kuh und den Senner seit Jahren kennt), auseinander zu picken…. und sich selber zu beweihräuchern „Ich-bin-ja-soo-voller-Qualitätsbewusstsein“ und „Wie KANN man nur Supermarkt-Ware essen!!?!“ ach… lassen wir den Rest. Fool For Food les ich von zeit zu Zeit sehr gerne, aber von anderen hab ich dann doch die Nase voll bekommen.

    Ach ja, ich lese sehr gerne die „normalen“ Blogger-Artikel mit Rezepten und Kochzeugs! 🙂 auch deine 🙂

    Liebe Grüße!
    Moni

  2. lillylandfein

    Hallo Moni,
    schön, daß Jemand so „mutig“ ist, mir zuzustimmen. Lassen wir uns nicht beirren, kaufen wir weiterhin gut und günstig und lassen es uns schmecken. 🙂 Ich warte ja noch auf den Schnulzbeerenkuchen. 😉

  3. Bin über fool for food auf diesen Blog gestossen.
    Selber bin ich kein Foddblogger, lese sie aber sehr gerne und finde sie für mich auch sehr bereichernd.
    Vielerlei Überheblichkeit udn Lobhudelei finde auch ich eher ärgerlich, manch dadurch gesteigertes Selbstbewusstsein der „schönen“ bloginhaber schade. Letztlich findet offensichtlich auch hier einfach eine (vielleicht erwartbare) Überführung ins Gewerbe statt.
    Allerdings: Bei Supermarkt“food“ – also konzernerzeugte Lebensmittel und Massentierhaltung – lohnt der Blick auch der „Normalos“ hinter die verabscheute Fassade der „Qualitätskocher“.
    Hier existiert auch durchaus eine politische, also verantwortliche Position. Man muss die nicht mögen, die aufgrund eines gesteigerten Distinktionsbedürfnisses beim Nahrungsmittel gelandet sind. Man kann aber überlegen, welchen einfluss man persönlich in der Nahrungsmittelindustrie hat.
    Bei Interesse empfehle ich die wunderbare und schreckliche Doku “ We feed the world“.
    Ich bin da kein Dogmatiker, aber Bewusstsein schadet nix.

  4. Hallo Lilly,

    ja, ich stimm dir zu, auch wenn ich erst so richtig durch diese Sache auf meinem Blog drauf gestoßen wurde.

    Ich bemerkte plötzlich dieses Potential, das da war … über „Normalos“ und Supermakrtware zu schimpfen und sich zu überheben… vorher hielt ich sie für Leute, die mehr auf Qualität achten als Otto Durchschnitt und mehr zeit und Energie ins Kochen geben.

    Nun stand ich auf einmal in der Zielgraden, ohne irgend etwas in meinen Augen verabscheuenswertes getan zu haben … (ich hatte gesagt, mir schmeckt ein bestimmter Käse aus dem Supermarkt….*hörthört*)

    Plötzlich kam Häme bzw. ich bemerkte die Freude, dass sie einen Anlass hatten, alles aufgestaute herauszulassen…
    (obwohl ich glaube, dass ein Teil dieser Explosion deshalb war, weil ich ihnen schlechtes Benehmen bescheinigt habe *ggGGgg*)

    Das verwirrte mich zuerst richtig, dann fiel mir auf, dass ein großer Klumpen Arroganz drin war. Nur so passten alle Ereignisse zusammen…

    Tanja oben sagt ganz richtig, dass Bewusstsein beim Konsumieren sehr wichtig ist (nicht nur beim Essen!) aber der Ton macht die Musik… und auch, wo man rumtrompetet (du siehst, mich juckt das von damals immer noch 😉 )

    Zum Schnulzbeerenkuchen: Noch jaulen sie, die Schnulzbeeren… und Selma rennt mit Ohrenstöpseln rum *gg* sie sagt, sie nimmt jetzt doch Blaubeeren.

    Liebe Grüße,
    Moni

    P.S.: Das Weltentor zu Imaginesien ist bald wieder geöffnet! Hakt grade etwas…. 😀

  5. lillylandfein

    Verantwortungsbewußt Einkaufen sollte man heutzutage natürlich tun. Überfischung ist ein großes Thema! Ich würde auch nie Produkte kaufen, die durch Quälerei der Tiere gewonnen werden, wie z.B. Stopfleber. Pelze u.Ä. sind genauso tabu. Ich dränge nur nicht Jedem meine Meinung auf und betrachte mich auch nicht als Messias. Kochen, bloggen und gut. Wem das nicht exklusiv genug ist… 😉

  6. Besser spät als nie: Gut gebrüllt Löwe!

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