Chronologie einer Nervenzerreißprobe

Es war ein schöner Mittwoch gestern. Frau Landfein, immer um ihre Mitmenschen bemüht, gab wertvolle Tips an nette Mitblogger, beackerte ihren virtuellen Bauernhof und war eigentlich ganz zufrieden. Dann:

ca. 17 Uhr – „Netzwerkfehler“ „Server nicht erreichbar“. Wieso nicht? Eben war er doch noch da! Wo isser hin? Diverse vergebliche Seitenaufrufe später – in den Keller gehen, Stecker ziehen, etwa 10 Min. warten, Stecker wieder in die Dose (System sollte einen Reset gemacht haben), wieder nach oben gehen, etwa 5 Min. warten, Notebook wieder auf Serversuche gehen lassen. Keiner da! Verdammt! Also, Keller, Notebook, suchen, nix finden, Keller, Notebook, suchen, nix finden! Anstieg des Adrenalinpegels!

ca. 17:30 Uhr – Frau Landfein, langsam aus der Puste und sichtlich genervt, überschlägt kurz das Zeitfenster. Um 19 Uhr wird immer gegessen, aber das Essen muß noch zubereitet werden. Herr Fred, ein wenig müde nach der Frühschicht versucht sich am Internet.

„Da kommt nichts.“

„Ich weiß.“

„Warum kommt da nichts? Kannst Du da was machen?“

Frau Landfein schmeißt das Messer zur Seite, sich selbst wieder an’s Notebook und untersucht fachmännisch Vista. Kein Fehler zu finden. Das Telefon? Ist auch tot. Herr Fred, seinerseits allem skeptisch gegenüberstehend, was einen Stecker hat, muß helfen! Er wird genauestes instruiert („Ich weiß, wie man einen Stecker einsteckt! Frechheit!“) und pendelt fortan zwischen Küche und Keller. Aber es hilft nichts. Alles bleibt tot. Frau Landfein schnippelt hektisch und denkt nach.

ca. 18 Uhr – Es klingelt. Fräulein Landfein kriegt Besuch. Die Dame hat sich einen Spanier aufgerissen. Sozusagen Enrique Langnesias in Plüsch. Wenigsten hat er keine Flöhe. Er saß schmachtend vor dem Haus und Frauchen dachte sich, sie guckt mal rein. Kein Problem. Frau Landfein kriegt erste hektische Flecken. Die Zeit, die Hunde, das Essen, das Internet, das Telefon. Noch was? Nö!

ca. 18:20 Uhr – Der Spanier geht, in der Küche wird gewirbelt. Herr Fred versucht sein Glück noch einmal im Internet, aber nix.Tot! Dann der verhängnisvolle Satz. Unbedacht dahin gesagt, von einem lebensfrohen, freundlichen, gesunden Mann:

„Dann kann ich ja heute gar nicht Snooker spielen und Du nicht fernsehen.“

Ihn trifft in diesem Moment die Erkenntnis, daß diese Frau, die mit einem riesen Messer vor ihm steht, bekennender Fan von „CSI“ und anderen Metzelserien ist. Sie weiß wie’s geht. Ihn von einem sehr lebendigen, zu einem sehr toten Herrn Fred zu machen. Dann seine Leiche verschwinden zu lassen und ungeschoren davon zu kommen. Sie trifft eine ganz andere Erkenntnis. Es ist Mittwoch. MITTWOCH! „Grey’s Anatomie“ und „Private Practice“. Im Hause Landfein ist der Internet-, Telefon- und Fernsehfritze – EIN ANBIETER!

ca. 18:40 Uhr – Das Essen brodelt, Frau Landfein auch! Der Fernseher gibt keine bewegten Bilder von sich. Gaaanz ruhig bleiben! Handy suchen, kostenfreie Nummer wählen, und die eigene Ortsnetzvorwahl eintippen. „In Ihrem Netzgebiet ist eine Störung. Dies ist uns bekannt. Wir arbeiten daran. Danke.“ BITTE! Herr Fred um Wogenglättung bemüht wagt einen vorsichtigen Vorstoß.

„Schatzi, dann machen wir es uns oben zusammen gemütlich und gucken da fern. Da funktioniert es doch.“

„Oben“, das ist das Arbeitszimmer. Der Fernseher da oben ist ca. 15 Jahre alt und hat gefühlte 10 cm Diagonale. Das Ganze hängt an dvb-t. Fährt ein Zug von Bremen nach Bremerhaven durch unsere Gemeinde, nimmt er für etwa 30 Sek. Bild und Ton mit. Und das IMMER an den dramaturgisch wichtigen Stellen. Gestern Vormittag fuhren 2, oder 3 Züge. Gestern Abend 150. Aber besser als Nichts!

ca. 20:14 Uhr – Frau Landfein sitzt voller Erwartung vor der alten Kiste. Herr Fred kommt fröhlich lächelnd mit Keksdose und Kaltgetränk dazu. Der Hund ist beleidigt.

“ Da läuft ja „Gallileo“.“

„Ja.“

„Willst Du das sehen, ich denke Du guckst was anderes?“

„Will ich auch das fängt gleich an. Frag mich aber nicht den ganzen Handlungsfaden. Guck einfach nur zu!“

ca. 20:20 Uhr – „Wann hören die denn auf, irgendwelche Namen einzublenden?“

„Wenn sie fertig sind. Stört doch nicht.“

„Also früher gab’s….“

„Schhhhhht!!!“

ca. 20:30 Uhr – „Was guckt ihr Frauen bloß für Serien. Da geht es pausenlos um Sex. Das ist doch ein Krankenhaus, was ist mit den Patienten?“

„Wen interessieren DIE denn? Schhhhht!!!“

„Wer ist das da?“

„Mc Sexy!“

„Lackaffe! Und der da?“

„Mc Dreamy!“

„Solche Typen gibt es doch in der Realität gar nicht. Oh, DIE ist ja süß!“

„Schnepfe! Schhhhht!!!“

ca. 21:15 Uhr – „Was kommt jetzt?“

„Private Practice“, die pimpernde Arztpraxis.“

„Machen die auch was anderes?“

„Ab und zu.“

„Ne, da geh ich und leiste dem Hund Gesellschaft. Die da kenn ich ja nicht.“

ca. 21:30 Uhr – „Du kannst jetzt auch wieder unten gucken. Geht alles wieder.“

Frau Landfein beamt sich eine Etage tiefer, vor den richtigen Fernseher. Herr Fred spielt online Snooker und der Hund freut sich. Der Mittwoch Abend ist ohne Verletzte ausgeklungen. Frau Landfein denkt immer noch darüber nach, wie sie diesen Fernsehfritzen an’s Leder kann…

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